Nepalhilfe Beilngries e.V.

23 Jahre Nepalhilfe Beilngries e.V.
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20 Jahre Michl-Dacher-Schule in Nepal - April 2015

Die alte Schule
Die alte Schule
Bauminister Prem Singh Dami (Mitte) im Gespräch mit Karl Rebele (links) und Josefine Dacher
Bauminister Prem Singh Dami (Mitte) im Gespräch mit Karl Rebele (links) und Josefine Dacher
Rajendra Giri (links) im Gespräch mit Bauminister Prem Singh Dami, im Hintergrund Botschafter Karl-Heinz Scholtyssek und Josefine Dacher
Rajendra Giri (links) im Gespräch mit Bauminister Prem Singh Dami, im Hintergrund Botschafter Karl-Heinz Scholtyssek und Josefine Dacher
Schule und Krankenstation (Hintergrund)
Schule und Krankenstation (Hintergrund)
Gesamtansicht der Michl-Dacher-Schule
Gesamtansicht der Michl-Dacher-Schule

„Könnt ihr nicht in meinem Dorf eine Schule bauen?“ - Diese Frage richtete Rajendra Giri im Sommer 1992 bei seinem Besuch in Beilngries an die Mitglieder der Nepalhilfe. Sein Wunsch kam nicht von ungefähr, schließlich stammte er aus diesem Bergdorf Kadambas, das 80 km nordöstlich von Kathmandu liegt und in dem er als Analphabet aufwuchs.
Die Hilfsorganisation bestand damals erst wenige Monate und hatte sich zunächst um die Unterstützung bereits bestehender Einrichtungen, wie denen der Englischen Fräulein oder der Armenapotheke des Bir-Hospitals angenommen. Die Mitglieder um den damaligen Vorsitzenden Karl Rebele hatten sicherlich das Ziel eigene Projekte zu schaffen und zu unterhalten. Der Gedanke an eine eigenfinanzierte Schule oder gar ein Kinderhaus schien aber noch in weiter Ferne zu liegen.
Die Zuversicht und Motivation von Rajendra Giri muss wohl ansteckend gewesen sein, denn man beschloss diese Schule in einer Region abseits touristischer Pfade zu finanzieren. Nach den ersten persönlichen Kontakten und der Inaugenscheinnahme der bestehenden Schule fiel der Startschuss. Die Dorfbevölkerung begann im Herbst 1992 damit einen Bergrücken abzutragen auf dem die spätere Schule entstehen sollte. Pickel, Schaufeln und ein zweirädriger Karren waren das Arbeitsgerät dafür, der Rest war Manpower, wie man neudeutsch sagen würde.

Eigentlich sollte es eine eingeschossige Grundschule werden, bestehend aus fünf Klassenzimmern und einen Büroraum. Mit dem Engagement der Dorfgemeinde, der politischen Unterstützung und dem finanziellen Rückhalt aus dem fernen Beilngries entstand schließlich eine weiterführende Schule. Dazu ein Lehrerhaus, denn Pensionen oder Mietwohnungen gibt es nicht.
Nachdem damals noch keine Straße in das Bergdorf oberhalb des Sun Kosi Flusses führte, mussten die gesamten Baumaterialen wie Sand, Zement, Baustahl und das komplette Schulinventar empor getragen werden. Vor Ort kümmerte sich die Dorfgemeinde um die Koordination und die Entlohnung der Trägerinnen und Träger. Steinmetze aus der Mount Everest Region waren über mehrere Monate damit beschäftigt, die für das Mauerwerk gebrochenen Steine zu handlichen Quadern zuzuhauen. Dreh- und Angelpunkt in allen Belangen war Rajendra Giri, er wollte seinen Lebenstraum vollendet sehen.

Am 21.04.1995 war es dann soweit. Die „Shree Kali Devi Higher Secondary School“ wurde feierlich eingeweiht. Nepals Bauminister Prem Singh Dami, der deutsche Botschafter in Nepal, Dr. Karl-Heinz Scholtyssek, hunderte Besucher aus Kadambas und den umliegenden Dörfern sowie eine ansehnliche Zahl von Besuchern aus Deutschland wollten sich dieses außergewöhnliche Ereignis nicht entgehen lassen.
In unserem Sprachgebrauch sollte die Schule fortan „Michl-Dacher-Schule“ heißen, benannt nach einem der erfolgreichsten deutschen Höhenbergsteiger. Das allein war aber nicht der Grund für die Namensgebung sondern vielmehr, weil der in der Marktgemeinde Peiting beheimatete Alpinist als erster Gast zu einem Benefizvortrag nach Beilngries gekommen war und ihn seine Bescheidenheit trotz aller Erfolge auszeichnete.

Dacher selbst konnte bei der Eröffnung nicht mehr dabei sein, nur wenige Monate vorher war er zuhause gestorben. Aber seine Gattin Josefine war mit unter den zahlreichen Gästen.

Auch Rajendra Giri lebt mittlerweile nicht mehr. Er verstarb wenige Jahre nach der Eröffnung „seiner“ Schule. An ihn und seine Verdienste erinnert eine Büste im Eingangsbereich zur Schule. Von dort hat er auch einen Blick auf die Krankenstation, die 2012 eröffnet wurde und die ebenfalls von Anfang an auf seiner „Wunschliste“ stand.

Nach wie vor trägt die NH Beilngries die Kosten für den Unterhalt des Schulkomplexes der über die Jahre um einen ansehnlichen Anbau erweitert worden ist. Auch der Markt Peiting trug in den zurückliegenden 20 Jahren in vielerlei Weise zum Fortbestand der Schule, die den Namen ihres wohl berühmtesten Sohnes trägt, bei.
Derzeit sind es etwa 400 Schülerinnen und Schüler die von 14 Lehrkräften unterrichtet werden. Der Kreis der Bildung hat sich in Kadambas bereits vor vielen Jahren geschlossen, nachdem einige dieser ehemaligen Schulkinder als Lehrkräfte in der Region tätig sind.