Nepalhilfe Beilngries e.V.

23 Jahre Nepalhilfe Beilngries e.V.
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Kinderhaus Dhapakel/Lalitpur

Mit der finanziellen Unterstützung eines kleinen Kinderhauses in Sunakothi, einem zehn Kilometer südlich von Kathmandu gelegenen Ort haben wir uns eines weiteren Hilfsprojektes angenommen. Darauf waren wir durch die Anfrage einer dort tätigen ehemaligen Volontärin gestoßen, die sich im Januar 2015 wegen einer finanziellen Unterstützung des Kinderhilfsprojekts an uns wandte. Im März 2016 haben wir nach entsprechenden Besuchen und Überprüfungen dafür „grünes Licht gegeben. Dies für die kommenden fünf Jahre mit einem  jährlichen Betrag von 8000 Euro.

Dort leben derzeit sieben Jungen und Mädchen im Alter von 5-16 Jahren leben. Lila Devi B.K. hat es im Jahr 2011, zusammen mit ihrem Bruder Oman gegründet. Fürsorge, Unterstützung und ein Heim für „Ihre“ Kinder hatten sie sich dazu auf die Fahne geschrieben. 

Als non-governmental Organization (NGO) ist das „Child Help Education Fund (CHEF) wie es offiziell heißt, bei der Regierung Nepals eingetragen. Eine finanzielle Förderung seitens des Staates gibt es nicht.

Das CHEF befindet sich im Erdgeschoß eines dreistöckigen Wohnhauses. Die Kinder kommen wie Lila Devi aus dem Myagdi-Distrikt, der vor allem den Touristen bekannt ist  die durch das Kali Gandaki Tal, zwischen Dhaulagiri und Annapurna wandern. 

In der Vita jedes der Kinder tauchen die hinlänglich bekannten sozialen Hintergründe auf: Analphabetismus der Eltern, hohe Kinderzahl, fehlendes Einkommen, Erkrankung, Tod oder das nicht unübliche Zurücklassen der Familie durch den Ernährer.

Im Erdgeschoß des dreistöckigen Gebäudes liegt das Kinderhaus von Sunakothi
Im Erdgeschoß des dreistöckigen Gebäudes liegt das Kinderhaus von Sunakothi
Lila Devi (links) mit „ihren“ sieben Kindern
Lila Devi (links) mit „ihren“ sieben Kindern
Ralf Petschl und Lila Devi bei dem Besuch im Februar 2016
Ralf Petschl und Lila Devi bei dem Besuch im Februar 2016

In ein neues Zuhause in Dhapakel, südlich von Kathmandu gelegen, konnte Lila Devi mit ihrer mittlerweile auf elf Kinder angewachsenen Familie umziehen. Ermöglicht worden war dies natürlich  durch unsere Finanzierung. Nun hat jedes Kind ein eigenes Bett,  genügend Platz für die wenigen persönlichen Gegenstände. Platz  zum Spielen im Haus und im Garten, in dem man nun auch Gemüse anbauen kann. Alles Errungenschaften, die es in dem früheren Domizil nicht gab, wo die Verhältnisse äußerst beengt waren. Im Mai brachte Lila ihren Sohn zur Welt. Mittlerweile haben sich auch Volontärinnen eingefunden. Von unserem Shaligram Kinderhaus bringt Radhika Singh bei Bedarf benötigte Hilfsgüter vorbei.

September 2016: Gabi Hupfauer als Volontärin – Authentische Erlebnisberichte

Gemeinsames Essen
Gemeinsames Essen
Gruppenfoto mit Deuter Geschenke
Gruppenfoto mit Deuter Geschenke
Zoobesuch
Zoobesuch
Gabi Hupfauer in Aktion
Gabi Hupfauer in Aktion
Kinderhaus Dhapakel
Kinderhaus Dhapakel

Von Anfang September bis Mitte Oktober arbeitet die 69-jährige Gabi Hupfauer im Kinderhaus. Es war ein lang gehegter Wunsch der Ehefrau des renommierten Extrembergsteigers Siegi Hupfauer, mit dem Sie die Wochen vor ihrem Aufenthalt eine Reisegruppe zum Berg Kailash/Tibet geführt hatte. Gabi Hupfauer stand in ihrer bergsteigerischen Laufbahn, gemeinsam mit ihrem Mann, selbst auf drei Achttausendern. Das Ehepaar lebt im Landkreis Neu-Ulm. 

In ihren authentischen Berichten spiegeln sich neben den nüchternen Fakten auch die Emotionen wieder, wie man aus den folgenden Zeilen entnehmen kann:

Namaste, liebe Freunde,

die zweite ereignisreiche Woche ist bereits vorüber und jeden Tag gibt es Neues zu verarbeiten bzw. zu verkraften. Ich glaube, ihr könnt euch die Verhältnisse nicht vorstellen. Armut, Schmutz, Lärm, Gestank, dazwischen aber lächelnde, fröhliche Menschen. Im Vergleich dazu leben wir alle in paradiesischen Verhältnissen, wir wissen es nur nicht immer zu schätzen. In der Fremde merkt man dies ganz gewaltig. 

Doch nun zu meinen Erlebnissen: Die landesüblichen Ess- und Tischgewohnheiten in einer  Großfamilie machen mir immer noch zu schaffen. Der Speiseplan besteht aus dreimal täglich Reis und ein wenig  Gemüse. Aber immerhin zweimal gab es Toastbrot mit Ei gebacken zum Tee u. zweimal ein wenig Fleisch und einmal Jogurt.  Das ist dann schon eine Abwechslung. Habe mir dann auch Toastbrot gekauft fürs  Frühstück, aber das schmeckt nach Mottenkugeln. Braunbrot gibt es nur in Kathmandu zu kaufen unddas ist ca. 18 km entfernt.

Bin aber schon zweimal in Patan gewesen, das 15 km entfernt liegt. Einmal mit dem Motorroller,  das ist mir aber zukünftig doch zu riskant. Der Verkehr und die Straßenverhältnisse sind chaotisch. Das zweite Mal bin ich mit dem Bus gefahren - alt und klapprig,  dafür kostete er aber nur ca. 15 Cent. Das ist dann die Abwechslung. Der Lärm u. Gestank in der Stadt ist aber noch größer.

Die Putzarbeiten im Haus wurden fortgesetzt, ein Fass ohne Boden!!

Wäsche wird täglich gewaschen, von jedem der Kinder selbst. Sie sieht dementsprechend aus, natürlich mit kaltem Wasser.

Große Anschaffungen wurden gemacht von den Spendengeldern der Kailash-Gruppe. So u.a. ein Kleiderschrank für das Mädchenzimmer, vom Schreiner nebenan. Der Preis ist hoch mit 220 Euro, Trinkwasserfilter 50 Euro , Putzmittel, Schrubber, Besen und Schaufel, ein Kochtopf für Heißwasser,  5 Neonröhren u. Glühbirnen, Mehrfachadapter für die Steckdosen  usw. Das Geld geht ganz heftig hinaus. Das ist aber nur das Notwendigste.

Dann geht das Trinkwasser aus. Es muss telefonisch vorbestellt werden und kommt dann mit dem Tankwagen. 8.000 l kosten ca. 14 Euro.

Der Alteisenhändler schaut auch vorbei und bietet für eine alte Waschmaschine zwei Euro, zertrümmert diese mit einem Hammer, um sie dann per Fahrrad abzutransportieren. Für mich ist hier vieles fast nicht zu begreifen!

Die mitgebrachte, gespendete Nähmaschine ist im Dauereinsatz. Hosen kürzen, Kleider umnaähen und unendlich viele offenen Nähte und Löcher flicken. Die Mädchen selbst wollen auch nähen, aber da müssen wir noch viel  üben.

In Hof und Garten wurden Wege aus Ziegelsteinen von der eingefallenen Gartenmauer gelegt.

Der Höhepunkt war am vergangenen Samstag der Besuch des Zoos in Kathmandu. Mit neun Kindern sind wir mit dem Bus hingefahren. Die vielen Tiere, einschl. Tiger, Leopard u. Elefant waren für alle ein großes Erlebnis. Besonders die 19-jährige Haushaltshilfe Sapana freute sich besonders. Sie lebt erst seit fünf Monaten hier und hat diese Tiere noch nie zuvor gesehen. Zum Abschluss gab‘s für alle ein Eis. Dafür mussten sie eine Teilstrecke des Heimweges zu Fuß  gehen. Bei der Heimfahrt schliefen die Kleineren dann gleich fest im Bus ein und mussten zum Ausstieg geweckt werden.

Es wird hier nicht langweilig, die Rasselbande hält eine ganz schön auf Trab.