Nepalhilfe Beilngries e.V.

23 Jahre Nepalhilfe Beilngries e.V.
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Familie Köberlein aus Aschaffenburg besucht unser Kinderhaus

Für Veronika Köberlein war es der erste Besuch in Nepal
Für Veronika Köberlein war es der erste Besuch in Nepal
Großes Interesse zeigten die Besucher für das Farmingland
Großes Interesse zeigten die Besucher für das Farmingland

Juni 2017

Endlich - Das erste Mal Nepal! Im März war es soweit: Unser Vater Michael Köberlein hat uns zu seiner zehnten Nepalreise mitgenommen. Nepal, das wir - mein Bruder Konstantin, ich und Johannes, der Freund unserer Schwester - bisher ja nur von Papas Erzählungen und Bildern her kannten.

Nachdem wir schon in den ersten drei Tagen viele beeindruckende Erfahrungen in Kathmandu, Patan und Bhaktapur sammeln konnten, stand als nächster Programmpunkt der Besuch im Kinderhaus der Nepalhilfe Beilngries e.V. in Lubhu an. Berichte, von unserem Vater und auch von unserem Nepal-kundigen Opa über diese Einrichtung, hatten uns schon als Kinder immer fasziniert. Ein Haus ganz speziell und extra für Kinder!

Unsere erste Erfahrung vor Ort war dann die herzliche Begrüßung, mit der wir bei unserer Ankunft empfangen wurden - und nicht nur vom Haushund Sethi. Ein zaghaftes, aber immer zutiefst ehrliches "Namaste" kam uns aus jedem Kindermund entgegen. Der Älteste der Jungen, Kungsang Lama, bekam auch gleich von Sunil den Auftrag, uns die gesamte Anlage zu zeigen. Mit einer schier ansteckenden Begeisterung führte er uns durch fast jedes Zimmer, über alle Etagen bis aufs Dach. Dabei erklärte er uns die Solar-Anlagen, die Tagesabläufe im Kinderhaus, zeigte uns die Aufgaben-Verteilung für die Bewohner und beantwortete unsere Vielzahl an Fragen. Während unserer Führung kamen dann auch die restlichen Kinder von der Schule zurück ins Kinderhaus und bereiteten sich auf das Essen vor. So erhielten wir einen Rund-Um-Einblick ins Leben der Kinder im Haus.

Was uns aber fast noch mehr beeindruckte, war die Besichtigung eines der zum Kinderhaus zugehörigen Farminglands. Hier übernahm der zuständige Bauer, der zusammen mit seiner Frau das Areal bewirtschaftet, unsere Führung. Sichtlich stolz zeigte er uns das ganze Gelände und erklärte uns Schritt für Schritt die vor einigen Wochen in Betrieb genommene "faecal sludge treatment plant", eine Art Mischung aus kleinem Biomassenkraftwerk-Kläranlage. Über dieses System kann nicht nur ein (bisher zwar noch sehr geringer Anteil) der Fäkal-Abwässer von Kathmandu auf eine äußerst nützliche Weise verwertet werden. Auch das Farmingland - und somit das Kinderhaus - profitieren nachhaltig davon. Denn das in der Anlage gereinigte Wasser wird direkt zur Bewässerung der Gemüse-Plantagen umgeleitet. Gleichzeitig entsteht wertvoller Dünger für die Pflanzen. Das ebenfalls gewonnene Gas wird zum Kochen und zur Käseherstellung verwendet. Ein beeindruckendes System, das - sollte es mehrfach in Nepal zum Einsatz kommen - sicherlich maßgeblich helfen könnte, viele Strukturen zu optimieren und weitere Perspektiven für die Einwohner Nepals zu schaffen.

Nachdem wir nun also, sowohl das Kinderhaus, als auch das Farmingland besichtigt hatten, stand für uns alle fest: Es kommt zusammen, was zusammen gehört! Auf dem Farmingland wird nicht nur ein Arbeitsplatz für den Bauern und seine Frau geschaffen, sondern auch die Kinder lernen hier in ihren Ferien oder am Wochenende den richtigen Umgang mit Tier und Natur. Was könnte es besseres geben, als die Kinder durch solche praktischen Erfahrungen auf das Erwachsen-Werden und einen bewussten Umgang mit der Natur vorzubereiten? Gleichzeitig kann durch die gute Bewirtschaftung täglich eine Menge von 10 kg frischem, biologisch angebautem Gemüse geerntet werden. Das entspricht 400 g saisonalem Gemüse pro Kind pro Tag, also die Menge, die die Deutsche Gesellschaft für Ernährung e.V. im Rahmen einer gesunden, ausgewogenen Ernährung empfiehlt. Eine Menge, die in Deutschland nicht einmal die Hälfte der Bundesbürger zu sich nimmt. Diese Tatsache hat mich als staatlich geprüfte Diätassistentin und Diabetesberaterin sichtlich beeindruckt. Bio-Gemüse direkt vor der (Kinder-)Haus-Türe! Wir sind alle der Meinung: Beide Bereiche ergänzen sich zu einer sinnvollen Einheit und wir hoffen, dass sich auch zukünftig Farmingland und Kinderhaus weiter zusammen entwickeln und wachsen werden. Und wer weiß? Vielleicht wird ja in naher Zukunft auch im restlichen Nepal noch die eine oder andere faecal sludge treatment-Anlage gebaut. Der für deutsche Verhältnisse relativ übersichtliche finanzielle Aufwand für den Bau der Anlage und die Vielzahl an positiven Aspekten für die direkt Betroffenen, aber auch ganz Nepal, stellen sicherlich eine rentable Investition dar.