Nepalhilfe Beilngries e.V.

23 Jahre Nepalhilfe Beilngries e.V.
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Abschied aus dem Kinderhaus

Gruppenfoto mit den fünf Abgängern (Vordergrund), Ehrengästen und Mitarbeitern des Kinderhauses
Gruppenfoto mit den  fünf Abgängern (Vordergrund), Ehrengästen und Mitarbeitern des Kinderhauses
Ein Kuvert mit Startkapital überreichte Vorsitzender Tara Nanda Pradhan – rechts die 19-jährige Sita Saniyal
Ein Kuvert mit Startkapital überreichte Vorsitzender Tara Nanda Pradhan – rechts die 19-jährige Sita Saniyal
Sie nahmen natürlich auch an der Feier teil, die Jungen und Mädchen des Kinderhauses
Sie nahmen natürlich auch an der Feier teil, die Jungen und Mädchen des Kinderhauses

Es ist ein vorhersehbarer Termin für jedes der Kinder die im Shaligram-Kinderhaus in Lubhu aufwachsen - die Entlassung hinaus in die Selbstständigkeit.

Anfang Juni war es wieder einmal soweit. Zwei Jungen und drei Mädchen im Alter von 18 und 19 Jahren waren es bei der Reintegrationsfeier an der zudem Familienangehörige, lokale Politiker, Sponsoren, der Polizeichef und natürlich das Betreuungsteam des Kinderhauses teilnahmen.

Nach 15 Jahren galt es Abschied zu nehmen aus dem wohlbehüteten Umfeld des Hauses. Dass auf beiden Seiten gemischte Gefühle vorhanden waren bedarf nicht weiter der Erwähnung, zumal auch manche Träne floss. Nach der 12-jährigen Schullaufbahn, die mit der Vorschulklasse begann und nun nach 12 Jahren mit der Abschlussprüfung endete haben sie das Rüstzeug für den weiteren Lebens- und Berufsweg.

Zusammen mit den Zeugnissen und nötigen Dokumenten erhielten sie auch einen finanziellen Zuschuss, der ihnen den Start erleichtern soll. Der Vorsitzende des Kinderhauskomites, Tara Nanda Pradhan, betonte dabei, dass sie nun zwar auf eigenen Füßen stünden, ihnen das Team des Kinderhauses aber weiterhin mit Rat und Tat zur Verfügung stehen würde.

In den 21 Jahren des Bestehens des Kinderhauses seien  26 Jungen und Mädchen diesen Schritt bereits gegangen sagte  Sunil Shrestha, Koordinator der Nepalhilfe Beilngries, Sie hätten die Herausforderung gemeistert und Arbeits- und Studienplätze in Nepal oder im benachbarten Ausland, wie etwa Indien gefunden. Dies solle den nun folgenden fünf Ansporn und Ziel sein. 

Am Beispiel der 19 Jahre alten Sitar Sanjyal spiegelt sich das Schicksal vieler anderer Kinder des Kinderhauses wieder. Sie war im Jahr 2003 mit vier Jahren in das „Shaligram Bal Griha“ in Lubhu gekommen. Nach dem Tod ihres Vaters im 800 Kilometer, ganz im Westen Nepals gelegenen  Kalikot-Distrikt, kam das schüchtern und zerbrechlich wirkende Mädchen in das Kinderhaus. Ihre Mutter sah sich nicht mehr im Stande die fünf Kinder ohne den Ernährer aufzuziehen. 15 Jahre sollte es ihre Heimat werden in denen sie den jüngeren „Geschwistern“ auch eine gute Nachhilfelehrerin war.

Sitars großer Berufswunsch ist es im Hotel-Management einen Arbeitsplatz zu finden. Diverse Schulungen hat sie dazu bereits erfolgreich bewältigt. Nachdem sie keinerlei Wohnmöglichkeit in Kathmandu hat wird ihr die überreichte Finanzspritze sicher hilfreich sein, schon allein um sich ein kleines Zimmer zu mieten. Sitars Mutter hatte die 20-stündige Anreise zu der Feier auf sich genommen. Stolz war sie auf ihre Tochter, die sie über die Jahre oft schmerzlich vermisste, was sicher auf Gegenseitigkeit beruht.

Eine freudige Überraschung hatte Ehrengast Bishwo Raj Shrestha parat. Der Verwaltungschef des Distriktes in dem Lubhu und damit das Kinderhaus liegt bot den fünf Abgängern ein Stipendium zum Bachelor Studium am Unique College in Lalitpur an. 

Zum Abschluss saßen die Jungen und Mädchen dann im großen Speisesaal zum Abschiedsessen beisammen. Ein denkwürdiger Moment an einem Ort der ihnen15 Jahre Sicherheit und Fürsorge bot.