Nepalhilfe Beilngries e.V.

23 Jahre Nepalhilfe Beilngries e.V.
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Journalistin auf Inspektionstour zu Schulen in der Sindhupalchok-Region

Das neue Hostel (links Vordergrund) für blinde Kinder konnte schon im Oktober 2018 eingeweiht werden.
Das neue Hostel (links Vordergrund) für blinde Kinder konnte schon im Oktober 2018 eingeweiht werden.
Viel Spaß in Chautara: Mädchen posen zusammen mit der Besucherin.
Viel Spaß in Chautara: Mädchen posen zusammen mit der Besucherin.
In manchen Klassen herrscht ein deutlicher Mädchenüberhang: Jungen gehen oft früh von der Schule ab, um zu arbeiten und Geld zu verdienen.
In manchen Klassen herrscht ein deutlicher Mädchenüberhang: Jungen gehen oft früh von der Schule ab, um zu arbeiten und Geld zu verdienen.
Auch die Shree Gyan Mandir Namuna Secondary School in Mailchaur war stark beschädigt. Ein Teil der Schule ist fertig und wird genutzt.
Auch die Shree Gyan Mandir Namuna Secondary School in Mailchaur war stark beschädigt. Ein Teil der Schule ist fertig und wird genutzt.
An der Ralf-Dujmovits-Schule gab es für eine Klasse eine Schulstunde im Freien.
An der Ralf-Dujmovits-Schule gab es für eine Klasse eine Schulstunde im Freien.
Sunil Krishna Shresta übergibt die Grundnahrungsmittel für die Kinder im Hostel.
Sunil Krishna Shresta übergibt die Grundnahrungsmittel für die Kinder im Hostel.

Zum wiederholten Male besucht Anne Oschwald, Journalistin aus Ravensburg, Nepal und auch unsere verschiedenen Einrichtungen. Beim zurückliegenden Aufenthalt Anfang Januar 2019 nahm sie sich die Zeit in die Region zu fahren in welcher der Wiederaufbau unserer zerstörten Schulen voranschreitet. Hier ihr Bericht dazu:

SINDHUPALCHOK – Mit Sunil Krishna Shrestha und Shyam Pandit, den beiden Koordinatoren der Nepalhilfe Beilngries in Nepal konnte ich eine Fahrt in den Sindhupalchok-Distrikt machen. Dieser liegt nordöstlich von Katmandu. Das erste Mal habe ich die Region wenige Monate nach dem Erdbeben im April 2015 besucht und konnte die Schäden an etlichen Schulen der Nepalhilfe Beilngries unmittelbar sehen. Überrascht war ich von den Fortschritten beim Wiederaufbau. Sie sind immens. 

Es regnet leicht in Katmandu. Die kalten Temperaturen wirken dadurch noch garstiger. Vereinzelt stehen Grüppchen von Menschen an der Straße, die sich die Hände an kleinen Feuern wärmen. Niederschläge wären durchaus wichtig. Alles ist staubtrocken. Einheimische berichten, dass es schon mehr als zwei Monate nicht mehr geregnet hat. Der Weg durchs Katmandutal führt an der alten Königsstadt Bhaktapur vorbei. Im Umland qualmen die Kamine der vielen Ziegelfabriken, die rote und graue Ziegel herstellen. Terrassenfelder und Parzellen liegen nach der Ernte noch brach oder werden schon für die nächste Aussaat vorbereitet, Kompost liegt gleichmäßig verteilt bereit. Andere Kleinparzellen tragen Blumenkohl, Getreide, Zwiebeln oder Senfpflanzen. Hinter Banepa und Dhulikel lässt man auf dem Araniko-Highway die großen Siedlungen hinter sich – es wird ländlich. Die Straße schlängelt sich in Serpentinen zuerst hinunter zum Sunkoshi Fluss. Nach dessen Überquerung geht es stetig bergan. 

Die erste Schule der Nepalhilfe erreichen wir nach gut zwei Stunden in Sangachok. Beim letzten Besuch war auf dem Plateau: nichts mehr. Die zerstörte Schule war bei meinem Besuch im Januar 2015 bereits abgetragen. Meine Überraschung über den weit vorangeschrittenen Bau ist daher groß. Baumaterial und rollenweise Kabel liegen auf dem Gelände. Es wird gehämmert, verputzt, gemauert. Der Wiederaufbau wird genutzt, die Schule zu erweitern. Von zuvor rund 550 Schulplätzen auf 1000 Schüler, die künftig in 33 Klassenzimmern Platz finden. Die Einweihung soll im Oktober 2019 stattfinden. Ambitioniert, aber wenn man die emsigen Arbeiter sieht, durchaus realistisch.

Schulen sind jetzt leuchtend gelb

Nach einem Rundgang über das Gelände gibt es in der Bauhütte zur Stärkung erst mal Dal Bhat. Das Nationalgericht Nepals besteht aus Reis, Linsensuppe, Curry, Pickles und Papadam, einem dünnen knusprigen Fladenbrot. Der Bauleiter Tanka Dular und der Ingenieur Sujan Bhandari sowie der Koordinator für Nichtregierungsorganisationen in Nepal, Krishna Sapkota, begleiten die Mitarbeiter der Nepalhilfe an diesem Tag bei ihrer Inspektionsreise. Die Fachleute sind für alle Bauvorhaben verantwortlich. Rund 120 Bauarbeiter arbeiten an den Schulen. Später besuchen wir die Ralf-Dujmovits-Schule in Irkhu, die vom Erbeben verschont blieb, und für die schon zuvor eine Erweiterung geplant war. Das Gebäude ist von weitem aufgrund seiner Größe und der gelben Farbe erkennbar. Die gelbe Farbgebung ist von der Regierung für alle Schulen jetzt vorgegeben. Ein Lehrer macht mit seiner Klasse im Freien eine Schulstunde. In einer höheren Klasse sticht ein Phänomen ins Auge: 26 Mädchen, drei Jungen. Diese ungleiche Verteilung sehe ich an dem Tag noch öfter. Später erklärt ein Lehrer, dass viele Jungen früh von der Schule abgehen, um Geld zu verdienen. Von den Mädchen wiederum gehen circa ein Fünftel später nach Katmandu auf weiterführende Schulen.   

Immer wieder überrascht

Auch Chautara war vom Erdbeben ganz besonders betroffen, heute sieht man vergleichsweise wenig Schäden. Das Hostel für die elf blinden Kinder erstrahlt neu in blau und weiß und wurde bereits im Oktober 2018 eingeweiht. Sunil hat Grundnahrungsmittel für die Kinder mitgebracht, die für den kommenden Monat reichen werden. Unter den Kindern ist auch der 16-jährige Krishna Magar. Der aufgeweckte Junge klärt das ein oder andere Anliegen mit Sunil. Die blinden Kinder besuchen die Shree Bandevi Secondary Schule gleich nebenan, zusammen mit anderen Kindern aus den umliegenden Dörfern. Ihren Unterrichtsstoff lernen sie mit Hilfe der Braille-Schrift. Krishna, Bibek und Rikesh bestätigen im Gespräch, dass sie gerne zur Schule gehen. Demnächst ist auch das jährliche Schulfest. Aus einem Klassenzimmer dringt fetzige Musik: ältere Schülerinnen und Schüler studieren einen Tanz für das Fest ein und haben dabei Riesenspaß. 

Dann geht es weiter nach Chilauni. An der relativ kleinen Primary Schule springen dem Laien die Schäden vom Erdbeben nicht gleich ins Auge. Nur bei näherer Betrachtung sieht man die Risse an den Wänden. Es ist schmerzlich, dass das ursprüngliche Gebäude wegen der Schäden abgerissen werden muss. Ein Trost bleibt: Denn gleich nebenan wird mit Hochdruck am neuen Schulgebäude gebaut. Auch dieser Bau ist schon weit vorangeschritten und bietet den Kindern aus der Umgebung bald wieder geregelten Schulunterricht in ihrer eigenen Schule.  

Anne Oschwald