Nepalhilfe Beilngries e.V.

30 Jahre Nepalhilfe Beilngries e.V.
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Weiterer Schulneubau in entlegener Ecke Nepals

Sie gilt als die unterentwickeltste Region Nepals, die Karnali Provinz im Nordwesten des Landes. Kaum Infrastruktur und wenig Bildung. Eben dort entsteht derzeit das neueste Schulprojekt der Nepalhilfe Beilngries.

Schon allein wegen  ihrer exponierten Lage ist  diese „Ecke“ Nepals besonders den Touristen vorbehalten die selten begangene Pfade und die Ursprünglichkeit des Landes in einer grandiosen, abgeschiedenen Natur, wie etwa um den Rara See, suchen. Landwirtschaft für den eigenen Unterhalt bestimmt dort das Leben der Menschen. Zum nötigen Gelderwerb bieten Indien und auch das nördlich angrenzende Tibet die einzigen Möglichkeiten.

Zwei neue Gebäudeteile vergrößern und sichern Schulstandort

Die Ramadev Basic School in Tanjakot/Humla ist der Ort, in dem für 362 Kinder und deren 13 Lehrkräfte der erste von zwei Gebäudeeinheiten entsteht. Er ist mit 70.000 Euro veranschlagt. Die Errichtung dieses zweigeschossigen Baues mit vier Räumen, einem Toilettentrakt und der nötigen Wasserversorgung bietet zugleich für 100 Bewohner die Möglichkeit der Arbeit und Entlohnung unmittelbar vor ihrer Haustüre. Mittlerweile ist der Rohbau des Erdgeschoßes fertiggestellt.

Schon im Vorfeld hatten sich die Verantwortlichen der kleinen Gemeinde dazu entschlossen die von der Regierung zur Verfügung gestellten 15.000 Euro aus dem „Karnali-Self Employment-Program“ in Anspruch zu nehmen um damit die Vorarbeiten, wie etwa die Schaffung eines entsprechenden Grundstücks und die Erdarbeiten zu finanzieren. 

Bis zum Ende dieses Jahres soll der erste Trakt fertiggestellt sein, ehe dann im kommenden Jahr  die zweite Hälfte entsteht. Beide werden dann das bisher bestehende und mit einfachsten Mitteln errichtete ebenerdige Gebäude mit seinen sechs Räumen einrahmen. Dass dieses einer bautechnischen Ertüchtigung und Sicherung bedarf, geben die Bilder wieder auf denen das blau leuchtende Metalldach über den wahren Zustand hinwegtäuscht. Deshalb findet der Unterricht zumeist im Freien statt.  

Der Zufall will es, dass derzeit die „Kadoori Foundation“ in Tanjakot tätig ist, die sich der Strom- und Wasserversorgung in unterentwickelten Regionen annimmt. So werden die Baumaßnahmen damit einher gehen.

Kein Anschluss an Nepals Straßennetz

Noch bis vor einem Jahr war das nächstgelegene größere Dorf Simikot nur nach einem viertägigen Fußmarsch erreichbar. Die neue Schotterpiste erleichtert nun den Kontakt dorthin. Weiter geht es dann allerdings nur von dem kleinen Flugplatz, denn die gesamte Region ist nicht an das Straßennetz Nepals angeschlossen. 

Trotz der isolierten Lage war  man aber auch dort auf die Aktivitäten der Nepalhilfe Beilngries aufmerksam geworden und hatte im vergangenen November bei den lokalen Vertretern in Kathmandu mit einem akribisch ausgearbeiteten Bewerbungsschreiben auf die eigenen Belange zum Bau einer Schule aufmerksam gemacht.  Vor dem Hintergrund der schon erwähnten infrastrukturellen Hemmnisse sah man die Anfrage in Kathmandu mit einer gewissen Skepsis. Nötige Absprachen, Kontrollen und die unabdingbaren persönlichen Kontakte schienen da nur schwerlich durchführbar.

Anfängliche Bedenken beseitigt

Shyam Pandit, einer der lokalen Koordinatoren in Kathmandu, machte sich deshalb im März dieses Jahres in einer sechstägigen Reise auf den Weg nach „Far West“ um  einen persönlichen Eindruck zu gewinnen. Er führte in dem auf 2.000 Metern gelegenen Dorf Gespräche mit den Antragstellern Him Bahadur Shahi und dessen Schwager Kal Bahadur Hamal, in deren Händen die lokale Koordination liegt. Zudem mit dem verantwortlichen Bauleiter, politisch Verantwortlichen und der Dorfbevölkerung. 

Wenige Wochen später kamen dann beide Antragsteller zu einem Treffen nach Kathmandu. „Unsere Dorfkinder besuchen eine Schule mit unzureichenden Einrichtungen wie undichten Dächern, zu kleinen Klassenzimmern, fehlenden Klassenmöbeln und Toiletten und vielem mehr. Wir haben einen hohen Anteil an Schulabbrechern, was auf eine Vielzahl sozialer Faktoren zurückzuführen ist, zu denen auch der Mangel an angemessenen Bildungseinrichtungen gehört“.  So fasste Him Bahadur Shahi dabei seine Motivation zusammen. Letztendlich erfolgte damit die Zusicherung der finanziellen Unterstützung.

Ein weiterer Zufall sollte allen Beteiligten in die Hände spielen, denn die nepalesische Regierung beschloss im Frühjahr 2022, den künftigen Schwerpunkt in den Bereichen Bildung und Erziehung auf die Förderung in den entlegenen Regionen des Landes zu legen, anstelle dem oft praktizierten Augenmerk um die großen Städte des Landes. Da kommt das von der Nepalhilfe Beilngries geförderte Projekt auch in politischer und hoffentlich weiterer finanzieller Hinsicht gerade zur rechten Zeit.

Shyam Pandit (Mitte) bei seinem Besuch in Tanjakot
Shyam Pandit (Mitte) bei seinem Besuch in Tanjakot
Blick in die derzeitige Schule
Blick in die derzeitige Schule
Mit Lehm verputze Innenwände der Schule
Mit Lehm verputze Innenwände der Schule
Frauen bei der Arbeit
Frauen bei der Arbeit
Shyam Pandit (2.v.r.) bei der Familie von Him Bahadur Shahi (2.v.l.)
Shyam Pandit (2.v.r.) bei der Familie von Him Bahadur Shahi (2.v.l.)
Blick auf die derzeitige Schule
Blick auf die derzeitige Schule
Frauen transportieren Steine zur Baustelle
Frauen transportieren Steine zur Baustelle
Besprechung vor dem Schulgebäude
Besprechung vor dem Schulgebäude
Die ersten Arbeiten haben begonnen
Die ersten Arbeiten haben begonnen
Erste Besprechung auf der betonierten Zwischendecke
Erste Besprechung auf der betonierten Zwischendecke