Nepalhilfe Beilngries e.V.

29 Jahre Nepalhilfe Beilngries e.V.
deutschenglisch

Passivsolarhaus Chharka

Oktober 2021 – Gebäude nimmt trotz Widrigkeiten Gestalt an

Der heftige und anhaltende Monsun, säumige Geschäftspartner und letztendlich der Ausfall der Kommunikation haben zu einer Verzögerung beim Bau des Passivsolarhauses geführt. Was ursprünglich Ende Juni beendet sein sollte, wird nun frühestens Ende Oktober  sein. Aber der Reihe nach. Weggespülte und verschlammte Straßen und Wege, sowie ein zeitweise verschneiter Pass sorgten dafür, dass das dringend benötigte Bauholz nicht nach Chharka gelangte. Dies auch deshalb weil die vereinbarten Lieferfristen von den Lieferanten nicht eingehalten wurden. 

Schließlich machten sich junge Männer aus der Region selbst auf den Weg nach Sangtha/Mustang um die dort lagernden Hölzer mit Mulis oder Menschenkraft nach Chharka zu tragen. So konnte man zumindest Türstöcke und Fensterrahmen setzen und den Weiterbau bis zum Dach gewährleisten. Dieses Ziel hatte man Ende August erreicht, obwohl sich die täglichen Arbeitszeiten wegen der heftigen Regenfälle zudem verkürzt hatten.

Für die Dachkonstruktion benötigte Baumaterialien, wie etwa Balken Isoliermaterial, Metall und Kunststoffplatten lagern derzeit ebenso noch in Sangtha. Mit Herbstbeginn endeten die Regenfälle endlich und nun setzt man auf die Aufnahme der Lieferkette.

Die Witterungsunbilden  hatten auch dazu geführt, dass der Sendemast für das Handynetz im Juli während eines Gewitters vom Blitz getroffen wurde und ausfiel. Damit musste man zwangsläufig auf die althergebrachte Kommunikation von Mund zu Mund zurückgreifen.  Ein weiterer Faktor zur Verzögerung.

In die Handlangerarbeiten waren Jung und Alt eingebunden, wobei Koordinator Tsering Samdup Gurung bei der Zusendung der Bilder großen Wert darauf legte, dass die Mädchen und Jungen lediglich nach Schulschluss kurz Hand anlegten. Bei dem sportlichen Kräftemessen zeigte der elfjährige Ngawang Tobden was in ihm steckt. Nicht nur er hoffrt, dass bis zum Einbruch des Winters das neue Domizil bezugsfertig sein wird.

Eine Schule auf dem Dach der Welt – Verschlungene Wege zu einem neuen Projekt

Der eingeebnete Bauplatz mit den aufgeschichteten Steinquadern
Der eingeebnete Bauplatz mit den aufgeschichteten Steinquadern
Unterricht unter freiem Himmel
Unterricht unter freiem Himmel
Eine Yak Karawane am Tuche Pass
Eine Yak Karawane am Tuche Pass
In mühseliger Arbeit wurden das Baumaterial zusammengetragen
In mühseliger Arbeit wurden das Baumaterial zusammengetragen

Der Wunsch zur Finanzierung eines Passiv-Solarhauses, in einer der entlegensten Regionen Nepals wurde 2019 an die Nepalhilfe Beilngries herangetragen. In dem auf 4.300 Metern gelegenen Bergdorf Chharka im Dolpo-Distrikt soll es als Schule und Wohnheim dienen. Im doppelten Sinne verschlungen waren die Wege wie man auf dieses neue Ziel aufmerksam wurde aber auch wie man  dorthin gelangt.

Eine Mitarbeiterin bei den Vereinten Nationen (UN) in Wien war mit der Bitte an Vertreter der Nepalhilfe im burgenländischen Lichtenegg herangetreten, sich dem Anliegen zu dessen Finanzierung anzunehmen. Antragssteller war die seit dem Jahr 2014 bestehende Organisation  „Dolpo Tomorrow“, dessen Vorsitzender Tsering Samdup Gurung im März 2019 über die UN-Mitarbeiterin einen kompetenten Ansprechpartner suchte. Die seit Jahren bestehende enge Zusammenarbeit mit den österreichischen Freunden führte dann schnell nach Beilngries.  Ehe man sich zur Finanzierung des etwa 40.000 Euro teuren Projektes entschloss, galt es Nutzen und Realisierbarkeit zu hinterfragen. Die Mitarbeiter der Nepalhilfe in Kathmandu hatten dies übernommen und zum Jahresende  kam das „ok“ aus Nepal.

Nutzung der Sonnenenergie für neues Gebäude

Wahrlich auf dem „Dach der Welt“ liegt Chharka im Dolpo Distrikt, dem größten aber auch einem der am dünnsten besiedelten 77 Distrikte Nepals. Der gehört zudem zu den unterentwickeltsten des Landes. Erst seit 2018 führt eine Straße in diese Region, die an das ehemalige Königreich Mustang im Osten und an Tibet im Norden grenzt. Neben der Höhe ist es das aride Klima, das Landwirtschaft und Überleben erschwert. Reichlich vorhanden ist aber der Sonnenschein, den man sich für das neue Passiv-Solarhaus zunutze machen will.

Der rührige Verein um Tsering Samdup Gurung konnte bisher Unterstützer aus Deutschland, Österreich und der Schweiz finden um Schulen zu errichten, deren Unterhalt zu sichern oder durch Windkraft und Solarpanels Energie zu erzeugen, womit auch Laptop und Social-Media Einzug hielten.

Unter den derzeitigen Gegebenheiten ist der Unterricht in den beengten Schulräumen der „Chharka Bhot Basic School“ auch auf Grund der klimatischen Verhältnisse nur von Mai bis Oktober möglich. Vorzugsweise findet der Unterricht dort im Freien statt. Ziel ist es deshalb einen nahezu ganzjährigen Unterricht  bis zur achten Klasse zu gewährleisten. Unter der Raumnot leiden vor allem die SchülerInnen ab der 5. Klasse. Gerade dem soll mit dem neuen Gebäude Abhilfe geschaffen werden. Manche der 230 Kinder erreichen erst nach einem sechsstündigen Anmarsch die Schule. Ihnen soll das neue Gebäude deshalb auch als Unterkunft dienen.

Schon seit dem Sommer 2020 ist der Bauplatz für das aus vier Räumen bestehende Gebäude vorbereitet. Die für das Fundament notwendigen Steine wurden in mühseliger Arbeit aus der Umgebung zusammengetragen und aufgestapelt. Für die Planungen konnte man auch auf das Knowhow des Grafinger Architekten Niko Rinkes zurückgreifen. Er hatte im Jahr 1999 das Shaligram Kinderhaus in Lubhu mit konzipiert. Sein Hauptaugenmerk gilt vorrangig der Wärmeisolierung, die man ja lediglich mit Naturmaterialien wie Lehm, Gras oder Stroh realisieren kann. Zudem sollen Dachisolierungen und doppelte Glasflächen das bewerkstelligen.  

Yak-Karawanen bringen Baumaterialien ans Ziel

Verschlungen sind in der Tat auch die Wege zu dem Bergdorf Chharka, was ihm sicher zu einem Alleinstellungsmerkmal in der Vielzahl der bestehenden Projekte der Beilngrieser Hilfsorganisation verhilft. Das Holz für das Gebäude sollte ursprünglich aus Tibet angekauft werden. Die wegen der Corona-Pandemie geschlossene Grenze zu China hat dies vereitelt. So werden die Hölzer in niedrigeren Regionen des Dolpo besorgt und von Trägern in einem dreitägigen Marsch nach Chharka geschafft.

Alle anderen Baustoffe wie etwa Ziegel, Zement, Glasscheiben  und Polyethylen Platten bringen Lastwagen aus Kathmandu über das Kali Gandaki Tal bis in den Mustang Distrikt. Von dort geht es mit Muli- oder Yak-Karawanen weiter zum Zielort.  Haupthindernis ist dabei der über 5.500 Meter hohe Tuche-Pass, den es auf der ebenfalls mehrtägigen Tour zu bewältigen gilt. Eigentlich sollten diese Arbeiten seit Mai 2021 erfolgen. Die grassierende Covid-Pandemie  verhinderte dies, womit sich die für den August geplante Fertigstellung verzögern wird.